Brain-Gym

Leichter lernen mit Brain-Gym.

Vor einigen Jahren begleitete ich eine Kollegin, deren Sohn Lernschwierigkeiten hatte, zu einem Vortrag über Brain-Gym = Gehirnturnen. Nicht ahnend, was für ein spannendes Thema mich da erwartete, ging ich eigentlich nur aus Gefälligkeit mit und war schon nach kurzer Zeit fasziniert, was die Referentin, eine Grundschullehrerin, über ihren Unterrichtsalltag und dessen positiver Veränderung durch den Einsatz von Brain-Gym-Übungen, berichtete.

Jahre später erinnerte ich mich an diesen Vortrag als ich nach einer Lösung suchte wie man das Ärgernis der Flüchtigkeitsfehler oder die durch Konzentrationsmangel stressbeladene Hausaufgaben-Situation verbessern könnte. Sicherlich kennen viele von Ihnen das Problem, dass Ihr Kind, obwohl es gut geübt hat, bei einer Klassenarbeit völlig unnötige Fehler macht oder dass es mittags schlaff und lustlos am Schreibtisch sitzt, seine Finger und Augen überallhin wandern, nur nicht zu den Hausaufgaben, Ihr Kind immer wieder aufspringt, es sich schlecht konzentrieren kann, nach Süßigkeiten verlangt , usw.,usw... Ich weiß nicht, wer in solchen Situationen mehr Nerven gelassen hat, unser Sohn oder ich, aber angenehm war es für Keinen von uns.

Glücklicherweise stellt sich für uns dieses Problem heute nur noch sehr selten, weil ich mich dann intensiv mit dem Thema Brain-Gym befasste, Seminare besuchte und viele positive und spannende Erfahrungen mit der Anwendung von Brain-Gym machte, sowohl bei unserem Sohn und mir als auch bei der Arbeit mit anderen Kindern und Erwachsenen.

Brain-Gym beinhaltet spezielle Bewegungsübungen und wurde in den 70er Jahren von Dr. Paul Dennison in Zusammenarbeit mit Ärzten, Neurophysiologen, Chiropraktikern und Kinesiologen in Kalifornien entwickelt, wo er 19 Jahre lang Kindern und Erwachsenen mit Lernproblemen half und seine Methode ständig weiterentwickelte und verfeinerte.

Lernen, Denken, Kreativität und Intelligenz sind nicht nur Prozessabläufe des Gehirns, sondern des ganzen Körpers. Ganz allgemein gesagt, aktiviert und vermehrt man durch körperliche Bewegung die Verbindungen der Nervenzellen untereinander, befreit durch Stressabbau von Blockaden und verbessert die Verbindung der rechten und linken Gehirnhälfte. Dies alles sind wichtige Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen. Stress z.B. wirkt sich sehr nachteilig auf das Denken aus, er blockiert es, und die meisten von uns kennen in stressbeladenen Situationen das berühmte „Brett vor dem Kopf“. Stehen wir unter Druck oder haben Angst vor etwas, laufen im Gehirn und im Körper bestimmte Notprogramme ab. Durch gezielte Brain-Gym-Übungen lassen sich diese Abläufe stoppen, und der Weg zum Lernen oder zur Problemlösung öffnet sich wieder.

Außerdem können wir durch bestimmte Bewegungsübungen die Areale im Gehirn ansprechen und aktivieren, die für spezifische Aufgaben, wie z.B. Lesen, Textverständnis, Schreiben oder Rechnen zuständig sind. Kinder, die Brain-Gym kennen, wissen wie sie ihr Gehirn durch das Rubbeln der „Gehirnknöpfe“ einschalten und wie sehr die „Denkmütze“ beim Diktat hilft.

Von großer Bedeutung ist auch, dass Brain-Gym mit seinen spezifischen Bewegungsübungen die Verbindung und die Zusammenarbeit von rechter und linker Gehirnhälfte verbessert. Jede Hälfte hat spezielle Aufgaben und ganz allgemein lässt sich sagen, dass die rechte Gehirnseite für alles zuständig ist, was wir automatisch, also ohne groß darüber nachzudenken, tun, z.B. Auto fahren. Bei allem, was wir neu lernen, wo wir also Schritt für Schritt vorgehen müssen, ist die linke Hälfte zuständig, z.B. in der ersten Fahrstunde.
Um leicht und erfolgreich lernen zu können, müssen wir Zugang zu beiden Gehirnseiten haben, damit wir einerseits bereits Gelerntes in die „automatische Abteilung“ abgeben können und andererseits freien Zugang und Platz in der Abteilung „ Neues Schritt für Schritt lernen“ haben. Oft ist dies aber nicht so ohne weiteres möglich, da die Verbindung zwischen den beiden Gehirnhälften blockiert oder instabil ist. Auch hier wirkt Brain-Gym sehr positiv, da es Übungen bereithält, die diese Verbindung stärkt und verbessert, damit man wieder über sein volles Potential verfügen kann.

Mögliche Anzeichen für eine unzureichende Integration der rechten und linken Gehirnhälfte sind z.B. viele Flüchtigkeitsfehler, Unruhe und Zappeligkeit, Plus- und Minus-Aufgaben werden verwechselt, die Buchstaben „b“ und „d“ werden vertauscht, das Kind liest „ie“ statt „ei“ oder 58 statt 85, stockendes Lesen, bei dem die Buchstaben nur schlecht zu einem Wort zusammengezogen werden können oder rechts und links wird verwechselt.

In einem solchen Zustand wird das Lernen anstrengend und mühevoll, da uns nur die Hälfte unserer Kapazität zur Verfügung steht. Brain-Gym bietet hier einfache, aber sehr hilfreiche Übungen an, und aus eigener Erfahrung heraus möchte ich jeden, der mit den beschriebenen Problemen zu tun hat, ermuntern, sich mit Brain-Gym zu beschäftigen. Das Internet bietet vielfältige Informationen dazu an, und es stehen mittlerweile viele gute Bücher zu diesem Thema zur Auswahl.

Abschließend ist zu sagen, dass Brain-Gym sicher kein Wundermittel ist, das allein alle schulischen Probleme unserer Kinder lösen kann. Es ist aber eine sehr einfache und wirkungsvolle Methode der Selbsthilfe, um unser Geist-Körper-System wachzurütteln und uns in gute Lernbereitschaft und Aufnahmefähigkeit zu versetzen.

Wir müssen es nur regelmäßig anwenden, das ist alles!

Christine Knippscheer

26. Januar 2005